Freitag, 21. August 2009

Junior Boys - 14.8.2009 - Sala LO*LI*TA/Barcelona


Imaginäre Zuckerwatte, ein Wachstumsschub und sonstige Einsichten

Ob ich was von den Junior Boys in meinem Wurlitzer hätte, hat mich Freund © vor einigen Monaten mal gefragt. Ich hab das bejaht, weil ich wusste, dass es da einen Ordner gibt, der diesen Namen trägt. All zu oft hatten Songs aus diesem aber noch nicht die Membrane meiner Boxen zum Schwingen gebracht. Außerdem dürfte sich mal ein Remix der Boys (ich glaube „Jackie“ von Sally Shapiro) in meine Vinylkiste geschmuggelt haben. Die Nadel hatte diese Platte aber ebenfalls noch nicht oft zu spüren bekommen. Das alles sollte sich aber ändern – wenn auch nicht gleich.
Jeder kennt das Gefühl, wenn man Orte für alle Ewigkeit mit gewisser Musik verbindet, man sich immer ein bisschen genau dorthin gebeamt fühlt. Sei es, wenn man sich diese zu Hause auflegt, sie aus irgendeinem Lautsprecher der urbanen Welt da draußen dröhnt, oder uns mittels Radiofrequenzen zugespielt wird. Die Junior Boys sind verantwortlich für viele solcher Momente – nur dass ich noch dort herumirre, wo ich sie für mich auch so richtig entdeckt habe, wo sie an Wichtigkeit gewonnen haben.
Und wenn es Zufälle geben würde, dann wäre folgende Geschichte ein Paradebeispiel. Dass nämlich gerade in einer Phase in der mich die beiden Kanadier seit Wochen wieder einmal Tag ein, Tag aus auf meinen Wegen begleiten, und ansonsten generelle Konzertflaute in der Stadt herrscht, sie plötzlich in wahrer Gestalt Vorort sind, das hab ich mit einem scheinbar bis Andorra hörbarem Jubelschrei quittiert.
In Wien wartete man, wie ich spät aber doch erfahren hatte, vergeblich auf das kanadische Duo.

Melody A.M.

Es ist Punkt Drei als sich zwei unscheinbare Männer am Roten Absperrband im Sala LO*LI*TA, irgendwo in einer riesigen alten Fabrikshalle im Viertel Poblenou, einfinden. Ein Dritter kauert mit verschränkten Händen etwas dahinter. Die Bar, ein etwas größer geratenes Arenabeisl auf schick getrimmt, ist mäßig gefüllt. Es herrscht noch ein Kommen und Gehen. Hat man nämlich einmal Eintritt gezahlt, so kann man sich aussuchen, auf welchem der fünf Floors man sich den Tinitus holt. Der Dj überzeugt mich schon mal mit heftigsten Röyksopp Remixen und einer ausgesprochen ansteckenden Art Electro aufzulegen. (Snr.Bianco, du wärst ausgezuckt…und ich war plötzlich wieder in der Geusaugasse – an einem dieser Sonntagmorgen bevor alles begann)
Ich muss ehrlich gestehen, ich habe nicht gewusst wie die Junior Boys aussehen, aufgrund ihrer Musik aber ein vorgefertigtes Bild in meinem Kopf gehabt. Ein, wie ich jetzt weiß, komplett falsches. Immer das Selbe mit der Stereotypensache. Aber ich liebe diese Momente. Noch dazu hatte ich außer den Plattenkritiken zum aktuellen Album noch nicht viele Zeilen über deren Werdegang verschlungen. Keine Ahnung warum und ich hätte das im Vorfeld des Konzerts sicherlich geändert. Da aber seit gefühlsmäßig ewigen Zeiten der Nachbar ausgeflogen ist- und mit ihm sein Internet-hab ich mein Vorhaben nicht umgesetzt. Und in Locutorios mit arabischen Klängen kann ich dann doch nicht länger als drei, vier schnelle Augenblicke bleiben. Im Nachhinein bereue ich das natürlich massivst.

Work it baby, work it

Auf der Bühne waren neben den unzähligen Synthesizern und andern Maschinchen auch ein Schlagzeug und eine Gitarre platziert, was mich in einen ausgesprochen aufgekratzten Zustand versetzte. Ehrlich, ich konnte es nicht mehr erwarten. Nach ein paar Vorabfotos und einem Smalltalk mit Jeremy Greenspan und Matthew Didemus wurde es ernst. Die Schlussklänge von „Röyksopp´s Night out“ eröffneten dann eine unglaublich sentimentale Elektropop Nacht.
Der Drummer (sorry, Name vergessen, aber bezeichnen wir ihn als F0st3r), schon schwer eingetaucht in die Welt des heiligen Klicks auf seinen Headphones, kickte den Grundbeat, während Matthew die ersten Sampler startete. Dann noch der Einsatz von Jeremy an Gitarre und Mikro und schon schlich sich der Track „Work“ scheinbar aus einer ferneren Galaxie kommend an, bis er schließlich mit seinem seicht dahin stampfenden technoiden Beat und der fast gehauchten Gesangbeilage direkt in meinem Herzen einschlug. Mit einer Intensität, die mich echt perplex erscheinen ließ. Mein vorgefertigtes Bild dieses Duos wurde einfach ausradiert und durch etwas ersetzt, das ich anfangs nicht fassen konnte. Ich hatte niemals daran gedacht, dass mich ein Liveset in dieser Art und Weise erwarten würde, und schon gar nicht, dass ich mich in die Stimme einer Person verliebt hatte, die sich da in Form von schätzungsweise 165 pummeligen Zentimeter vor mir aufbaute. Naja, wo die Liebe hinfällt.
Auch meine teilweise naive Einschätzung was das Erschaffen von elektronischer Musik anging brach wie ein Kartenhaus zusammen als ich Matt an seinen Spielzeugen herum werken sah. Einen Laptop suchte man hier diesmal jedenfalls vergeblich. Wunderbar.

First Time

Es kommt halt doch nicht alles von ungefähr. Und wie so oft muss man einfach auch das Glück haben zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Jeremy Greenspan gehört sicherlich zu denjenigen, die in den Genuss dieses Moments gekommen sind. Und plötzlich befand sich das Projekt Junior Boys auf einem komplett anderen Level. Es war das Jahr 2001 als Greenspan eine Demo an seinen Freund, und ehemaligen Zimmerkollegen in England, Steve Goodman sendete. Heute kennt man diesen wahrscheinlich besser unter Kode9 oder als Betreiber des Labels Hyperdub, und zwar nicht nur südlich der Themse. Dieser postete die Demo inklusive einem Interview auf seiner Homepage (das Label Hyperdub existierte eigentlich noch nicht) und schon kam der Stein ins Rollen. Nach kurzem Besetzungswechsel erschien dann 2003 die erste EP, welche wiederum einen Remix vom Wiener Elektrokünstler Fennesz (aktuelles Album: Black Sea – besorgen!!) beinhaltete, und hohe Wellen in der Szene schlug. Einer Szene, der die zwei Jugendfreunde aus Hamilton mit ihrem so frisch klingenden, dahinpluckernden Elektropopsound ordentlich Farbe verleihen sollten.
2004 folgte eine weitere EP (unter anderem mit einem Remix ihres Freundes Manitoba/mittlerweile Caribou), ehe mit Last Exit das erste Album auf KIN-Records veröffentlicht wurde(im selben Jahr wechselte man aber noch zu Domino Records). Dieses, scheinbar immerwährende Gesamtkunstwerk, bediente sich noch etwas stärker am housigen oder technoiden Soundgerüst derer beiden Vergangenheit. Eher direkt und monoton wusste diese zu überzeugen. Die Stimme von Greenspan wickelte sich mit ihrer Sanftheit aber auch schon bei dieser Platte ums Langzeitgedächtnis. Und wenn man einmal "Teach Me How to Fight" so richtig zugelassen hat, dann ist sowieso nichts mehr wie es einmal war. Textlich agierte er jedoch noch nicht so sehr in Richtung klassisches Pop-Songwriting wie auf dem bombastischen Nachfolgerwerk So This is Goodbye oder eben auf dem aktuellen, etwas deeperen, ausgeklügelteren und anfangs vielleicht nicht ganz so tanzbar erscheinenden Begone Dull Care.

Crooning around

Spätestens nach einem Live Erlebnis sollten diesbezüglich aber alle Zweifler eines Besseren belehrt sein und der Platte auch abseits diverser Polster- und Matratzenlandschaften ein Plätzchen einräumen. Noch dazu kriegt man nach deren Konzert nur schwer die gekonnten Crooner-Qualitäten des Jeremy Greenspan aus dem Kopf. Die Art und Weise wie er mit nur wenigen Schritten durch die Songs tänzelt, immer mit geschlossenen Augen, getragen von vollgepackten verträumten Flächen elektronischer Spielerein, das Mikro in Frank Sinatra Manier gebrauchend und den für diese Stadt so passenden Gaytouch, das machte es einem ziemlich leicht, sich in die Beeps & Boops noch ein Stückchen tiefer hineinzuträumen.
Die Songs klangen voller, modifizierter, was mitunter natürlich am Drummer lag. Dieser tobte sich in minutenlang monoton gespielten Fills aus, immer punktgenau und die Becken so präzise gesetzt, dass man gar nicht glaube wollte, das da jemand im dunkeln der Bühne sitzt und sich mittels Metronom durch den herannahenden Morgen drischt. Alles fügte sich butterweich ineinander. Die Junior Boys haben es wirklich perfekt geschafft, ihre Songs bühnentauglich zu trimmen, sind ein beachtliches Stück erwachsener geworden.
Und wenn man bedenkt wie aufwändig sich der Entstehungsprozess, Matt lebt mittlerweile in Berlin während sich Jeremy in seinem Homestudio in Hamilton/Kanada austobt, gestaltet haben muss, so ist es noch viel bewundernswerter, dass dieses Livekonzept in dieser Art und Weise auch beim aktuellen Longplayer aufgeht.
Auf wildes herumschicken von Songfragmenten verzichteten die zwei nämlich gänzlich. Es sollte nicht eine dieser Platten werden, welche fast ausschließlich auf dem Datenhighway zwischen zwei Kontinenten entstehen. Jeder arbeitete an seinen Konzepten und man flog mit diesen Ideen im Gepäck mehrmals über den Teich um sie in gemeinsamer Kleinstarbeit gemeinsam, im selben Raum befindlich, zu einem Ganzen zusammenzufügen. Der Laptop als Beatlieferant schaute dabei allerdings durch die Tasten. Genau darauf beruht aber die Wärme, die dieses Album mit sich bringt. Man spürt die Ruhe und die Passion, die Freude des miteinander Musizierens und Herumtüftelns. Das Resultat ist für mich ein bis ins letzte Detail durchdachtes musikalisches Zeitdokument, das mit jedem Durchlauf ein bisschen voluminöser wird. Fast wie beim wunderbaren Entstehungsprozess von Zuckerwatte. Jede Runde ein bisschen mehr ums Grundgerüst. Und plötzlich hält man eine aufgespießte Zuckerwolke vor seinem Gesicht und will sie um nichts in der Welt zerstören.
Bei Begone Dull Care braucht man diese Angst nicht haben, viel mehr sollte man mit einem Lächeln eintauchen. Denn wie uns schon der Titel der Platte schon sagt, ist einfach kein Platz um seine Mundwinkel nach unten zu ziehen. Und da sprechen die acht Songs sowieso für sich. Traumland olé.

Elektroschweiß

Der Sala LO*LI*TA stand mittlerweile Kopf, und die Leute nahezu übereinander. Kein Wunder, las sich die Setlist doch (fast) wie die Crème de la Crème ihrer Discographie. Trotz des Handwerks, das sie wirklich zu beherrschen scheinen, verzichteten sie darauf, Brücken zwischen den einzelnen Songs zu schlagen. Eine Sache, die ich insgeheim erwartet hatte. Es war wirklich mehr Konzert als man glauben wollte. Nach jeder Nummer wurde brav eine Verschnaufpause eingelegt, gegebenenfalls Gitarre gestimmt oder eben probiert, die scheinbar von überall herbei schießenden Schweißtropfen zu bekämpfen. Zu tun gab es ja genug auf der Bühne. Diesbezüglich ist mir ein Satz über den Weg gelaufen, der das treffender nicht formulieren könnte. – „Die Junior Boys bringen so ziemlich alles zum Klingen, was im Elektronischen gerade angesagt ist“

Zelluloid

Den Titel des neuen Albums, Begone Dull Care, haben sie sich vom gleichnamige Kurzfilm Norman Mc Larens geliehen. Dieser zeichnete, beeinflusst von den Klängen Oscar Pettersons, direkt auf das Zelluloid eines Films, und erschuf somit ein kunterbunt herumtänzelndes Treiben auf der Leinwand. Ein schier zeitloser „Musik –Kurzfilm“. Das dieser nur mit akribischer Genauigkeit und Ausdauer zustande gekommen sein kann, dass war für mich nach der ersten Sichtung einleuchtend. Die Junior Boys sehen zwischen diesem Kurzfilm aus dem Jahre 1949 und ihrer Herangehensweise Musik zu erschaffen jedenfalls Parallelen. Zufälligerweise wird genau dieser in wenigen Tagen im Zuge des Cine al Fresco im CCCB gestreamt. Aber wie gesagt, Zufälle gibt es ja nicht.

Banda Sonora

Was es allerdings gibt: Den Morgen nach der Nacht, und genau dieser reichte mir die Hand, als ich noch etwas benommen auf die Carrer Almogàvers hinaus stolperte. Nach einer etwas riskanten Heimfahrt mit dem Fahrrad und immer noch „Count Souvenirs“ im Ohr begrüßte mich dann ein Frühstück und das Wissen, dass die Junior Boys gerade mit goldener Füllfeder eine Widmung in mein fiktives Konzerttagebuch geschrieben hatten.
„Sei nicht traurig, der Sommer dauert ja noch an - und wir sind weiterhin dein Soundtrack“
Was für ein wunderbarer Film!

Übrigens: Da ich mich gerade im Ehestreit mit meiner LOMO befinde, wurden nur zwei der schätzungsweise 20 geschossenen Fotos ins Zelluloid des Films gebrannt......aber die Zeichen stehen mittlerweile wieder in Richtung Friedenspfeife!

Freitag, 26. Juni 2009

Sónar ? – was ist das??? - Ein minimaler Streifzug durch das elektronisch aufgeladene Angebot an Alternativmöglichkeiten.


Vamos

Das Sónar, eines, wenn nicht sogar das, bekannteste Festival der Welt, wenn es um den Tenor Elektro geht. Das Line-Up ließ jedenfalls wieder einmal nicht viel Spielraum für nicht in Erfüllung gegangene Wünsche. Doch es ist ja immer das Gleiche. Hat man erst einmal das was man sich wünscht, muss man auch mal damit zufrieden sein, damit glücklich werden - und zwar so richtig. Also ich muss das, alles andere lasse ich einfach nicht mehr zu.
Ich bin aber draufgekommen, das mich viel kleinere „Geschenke“, Spontanitäten oder Dinge, denen man auf den ersten Blick keine große Bedeutung zuschreibt, um Eckhäuser mehr erfreuen als der ganze Rest. Und weil es mir gerade wenig ausmacht, das ich finanziell anders haushalten muss, ich das sogar passend finde und mich dementsprechende anders entwickle, war das viel gehypte Sónar nicht einmal einen Gedanken am Rande wert.
Tja, unglaublich, und vor nicht all zu langer Zeit echt noch nicht vorstellbar.
Wurde ich nämlich in der Vergangenheit des Öfteren in letzter Sekunde aufgrund eines Artisten schwach und schlug doch noch am Ticketschalter zu, so blieb dieses Gefühl diesmal komplett aus. Am qualitativ hochwertigen Angebot lag es logischerweise nicht. Viel mehr am anderen Blick, den ich, sicherlich auch aufgrund meines derzeitigen Umfelds, erstmals angefangen habe zu entwickeln. So schreckten mich nicht nur die Eintrittspreise ab (obwohl der übliche Festivalschnitt), sondern auch die eine oder andere Sache, die mir das Sónar einfach nicht bieten konnte, welche für mich aber noch viel mehr der Vorstellung meines hier und jetzt entsprechen würden. Die einfach die harten Ecken des riesigen Bildes abrunden, und es dadurch zu einem frischen, bunten Aquarell machen würden.

La ciudad electrónica

Für viele mag Barcelona gerade die Traumstadt sein, das must see im bevorstehenden Sommer. Wenn sich dich Möglichkeit ergibt, das auch noch mit einem Festival zu verbinden, dann ist das natürlich in doppelter Hinsicht sehr erfreulich. Man ist im Normalfall aber nur ein paar Tage in der Stadt, so wie schätzungsweise eine Million andere auch. Und da sind wir auch schon bei einer Sache, die mir in den letzten Tagen mehrmals widerfahren ist. Der Partytourismus. Eine Sache, die hier allgegenwärtig ist, das ganze Jahr über. Zum Zeitpunkt des Sónar aber regelrecht aus den Fugen gerät.

Ich sehe Reisen als extrem wichtigen Bestandteil im Leben an. Nichts auf der Welt kann Türen in so einer Art und Weise öffnen, Sachen verständlich machen und einen auf den Boden zurück holen, wie der Blick hinaus über den (österreichischen) Tellerrand. Ich bin auch schon der Musik zu Liebe in verschiedenste Städte und Länder gereist, hab mich aber jedesmal probiert in den Flow dieser zu schmuggeln. Das funktionierte immer wunderbar und ich hatte nicht eine Sekunde ein negatives Erlebnis. Das wiederum stelle ich klar als keinen Zufall hin, sondern führe das schlicht und einfach auf das verständnisvolle und respektvolle Verhalten gegenüber der Stadt und den Leuten zurück. Spaß hab ich jedes Mal mehr als zur Genüge gehabt, von den Freundschaften, von denen mittlerweile manche zu sehr intensiven aufgestiegen sind, ganz zu schweigen.
Irgendwann bin ich dann aber zum Dauergast geworden und sehe mich immer mehr als jemand, der eine andere Funktion erfüllt, nicht die des Touristen eben – das ist ein logischer Prozess. Daher nehme ich auch verschiedenste Verhaltensmuster der Leute anders auf. Ein bisschen sensibler, weil ich zu spüren bekommen habe, wie es sich anfühlt, wo mit offenen Armen aufgenommen, respektiert zu werden. Wenn man sich selber treu bleibt.
Dieser Tage brauchte man wahrlich kein Spanisch zu sprechen um hier Kontaktpflege zu betreiben. Die Frage ist nur, ob man soviel Kontakt überhaupt will. Ich brauch das nicht, auch weil es sich oft um eine Klientel handelt, mit dem ich mich sowieso noch nie identifizieren konnte. Und auch wenn alle das Sónar als Hauptgrund angeben, so haben viele von ihnen den eigentlichen Grund für die Reise schon viel länger für sich deklariert – das Festival ist da nur mehr die Eintrittskarte, die „Legalität“ quasi.
Alles kein Problem für mich. Jeder soll sich wohlfühlen, soll sich von mir aus ordentlich durch alle Orbits und Monde schießen lassen - ist ja auch reisen. Aber auf der Erde, da schlängelt man sich leichter durch, wenn man ein paar simple Sache befolgt. Mädels dürften das von Natur aus besser intus haben als Burschen.
Es ist halt mühsam, wenn man im Sekundentakt von besoffenen deutschen C.F. Barcelona Fans, die halt die ausgiebigen Feierlichkeiten von vor drei Wochen versäumt haben, und glauben erst jetzt ihren Beitrag offenkundig leisten zu müssen, durch den Tag begleitet wird. Das Selbe gibt es natürlich auch mit österreichischem Akzent. In beiden Fällen kommen dann noch die peinlichen Stadiongesänge in der Muttersprache hinzu. Generell glaubt jeder, er müsse der Coolste in der Stadt sein. Wie so jemand ausschaut, das weiß ich nicht. Eine fette Uhr, mächtige Sonnenbrille, unter Haut gebannte Osterinselaffinität, Bräune um die Nase und Flip-Flops an den Sohlen machen´s aber garantiert nicht aus. Viel mehr muss sich das anfühlen, als ob jemand mit einem Spiegel vor einem her läuft. Scheint der Trend dieser Tage zu sein. Wenn man in meinem Fall auch noch Ohrenzeuge der einen oder anderen Konversation wird, doppelt bitter. Kräftige Unterstützung kommt da auch noch von Engländern bzw. Iren. Mit dem Unterschied, dass man hier auch schon vormittags nur/noch immer/schon wieder Leichen sieht – mit knallroter Körperfarbe halt. Und weil ich gerade das Vergnügen habe Leute mit einem Rickshaw die Strandseite Barcelonas entlang zu chauffieren, bekomme ich das ganze vielleicht noch einen Deut extremer mit. Einheimische weichen dem ja sowieso gerad aus. Man hat ja Zeit, eine Sache, die all jene trotz Urlaubs nicht zu haben scheinen. Vielleicht ja dann wieder daheim…..

Oferta

Das Angebot an elektronischer Musik in Barcelona ist eigentlich das ganze Jahr über ein noch nie zuvor gesehenes Phänomen. Was sich aber in der Stadt herum tummelt wenn das Sónar Wochenende ansteht, das ist echt gewaltig. Es gibt nicht viele renommierte Dj´s, die dieser Tage nicht in Barcelona Halt gemacht haben um uns mit fetten Beats den Tag bzw. die Nacht zu versüßen.
Viele von ihnen boten uns im Zuge von diversen Off-Sónar-Fiestas alternative Möglichkeiten an, um ohne, bzw. mit sehr viel weniger Geld ein unvergessliches Wochenende bestreiten zu können. Die Palette war reichlich, einen winzigen Auszug gibt’s hier.
Ich nahm mir eigentlich vor, ein paar dieser Festivitäten zu besuchen. Aber planen ist auch so eine Sache, die hier mehr schlecht als recht funktioniert, drum kommt man am besten ohne diesem Wort aus. So hab ich´s nur auf eines der vielen geschafft, das war aber die mit Sicherheit wunderbarste Nacht der letzten 27 Jahre.

Musica

Wer es schon nicht mehr erwarten konnte, der eröffnete ein musikgeschwängertes Wochenende bereits am Donnerstag. Ort des Geschehens war der Club Mondo am Port Vell. Brainfeeder nannte sich die Veranstaltung, und hätte ich an meinem ersten Arbeitstag auch wirklich etwas verdient, dann hätte ich mir Flying Lotus auf keinen Fall entgehen lassen. So bin ich aber doch mit Mexico im Sugar hängen geblieben.
Ein Happening, welches eigentlich fix eingeplant war und von Leuten aus meinem Freundeskreis organisiert wurde, war das Save the Day. Wie der Name schon sagt, eine Veranstaltung die einem über den Tag retten sollte. Das Line-Up war eher mit Insidernamen bestückt, soll aber mächtig abgegangen sein. Begonnen wurde jeweils um 11 Uhr vormittags und mit 15 Euro (inkl. einem Getränk) war man auch schon dabei. Platz des Geschehens war das Maremagnum, ein im Hafen von Barcelona schwimmender Komplex und eigentlich mehr Einkaufszentrum, Restaurant-Tempel und Touristenmeile. Um drei Uhr morgens war aber Schluss. Danach stand einem die ganze Nacht zur Verfügung.
Wollte man dann doch zu einer Party wo einem Dj´s mit geläufigeren Namen die Soundfetzten um die Ohren hauten, so konnte z.B. der gute alte Helmut für Abhilfe sorgen. Wo dieser Name auftaucht, da ist aber leider auch die Society meist nicht weit – so auch in den folgenden Fällen. Er und sein Label International Gigolo Records hatten es sich nämlich gleich drei Tage lang in Barcelona gemütlich gemacht. Hier wäre der Freitag interessant gewesen, aber nachdem das legendäre Fellini leider auch ein Opfer des (wahren) Clubsterbens wurde, und seither der billige Name Boulevard Culture Club Richtung Rambla leuchtet, war dass ein Grund mehr nicht dorthin zu gehen. Erinnerungen muss man ja nicht zwanghaft zerstören, auch wenn meine heißgeliebte Trainingsjacke dort seinerzeit einen neuen Besitzer fand. Das Showcase im Mondo wäre sicherlich auch eine Reise wert gewesen. Der Club wirkt aber so abgehoben, dass der einzige Grund dort jemals einen Fuß hinein zu setzten wahrlich Flying Lotus gewesen wäre.
Weil er aber auch an das Partyvolk mit Weniger im Börsel dachte, gab´s die eigentliche Labelparty dann am Sonntag, allerdings ein wenig außerhalb, dafür aber mit Strand vor der Tür und erschwinglich. Einen Steinwurf von der angesprochenen La Casita del Mar entfernt befindet sich auch ein Ort Namens Chiringuito Calamar. Handelt es sich bei der La Casita noch um einen begrenzten (open air) Club, so sucht man die Mauern im zweiten Fall vergeblich. Und das ist auch gut so. Beide Locations befinden sich in Sichtweite zum Flughafen. Dieses Gelände nennt sich Circuit Prat und gehört zu El Prat de Llobregat, ein kleines Dörfchen ca. 30 Minuten vor der Stadtgrenze Barcelonas. Eigentlich gibt es dort nicht viel außer brache liegendes Land, das im Meer seine natürlich Grenze findet. Und Flugzeuge.
Chiringuito Calamar ist, wie der Name schon verdeutlicht, eine Imbissbude, die mitten am dortigen Strand positioniert ist und mit Sicherheit der Ort, den ich bis an mein Lebensende nicht vergessen werde. Mag das für viele Einheimische alles das Normalste auf der Welt sein, so kickte mich als Binnenländler etwaiges ordentlich.
Der Dj stand dort lediglich hinter einem Holztischchen und blickte aufs schätzungsweise 70 Meter entfernte Meer, die Crowd tanzte irgendwo dazwischen oder im Wasser, turnte akrobatisch in schwindelerregende Höhen auf irgendwelchen Geräten des ebenfalls am Strand platzierten Kinderspielplatzes oder schlief seelenruhig auf einer Plastikpritsche in mitten der aufgewühlten Menge. Wunderbar und wenn ich an die Schlammschlachten denke, die sich irgendwelche Proleten auf diversen Festivals in Österreich oder Deutschland zur selben Zeit lieferten, da muss ich mit recht schmunzeln.
Der Grund meines Besuches war der zehnte Geburtstag vom Berliner Label BPitch Control. Und wie es der simple Satz auf deren Seite schon auf den Punkt bring - „Berlin has it all…“. Das Line-Up versprach auf jeden Fall großartiges. Mit der Labelchefin Ellen Allien, Sascha Funke und Paul Kalkbrenner konnte nichts mehr schiefgehen. Das Ganze war auch noch gratis.
Ein Ausgesprochen unbeschreibliches Gefühl, wenn man stundenlang barfuß im Sand tanzt, sich dann irgendwie ans Meer schleppt und in ein Leintuch gehüllt mit einer Mischung aus Meeresrauschen und freshestem Techhouse umspült wird. Dazu noch Bunte Laser, welche die Geburtstagsnacht in tausende Stücke zerschnitten und Flugzeuge, die über unseren Köpfen hinweg donnerten, dass man glauben mochte, sie mit einem geschickten Handgriff vom Himmel holen zu können. Irgendwann vermischten sich dann die Beats mit den ersten Sonnenstrahlen und auch ein paar Regentropfen gesellten sich dazu. Als dann auch noch „Walking on a Dream“ von Empire of the Sun in den allerletzten Tune verpackt wurde, da fehlten nicht nur mir die Worte. Nach minutenlang anhaltendem Toben der Menge wurde dann plötzlich noch einmal der Schalter umgelegt, um ein letztes Mal diesen Satz abzuspulen. Laut und genial. Ich hätte mir niemals gedacht, dass es den (fast) perfekten Tag gibt, offensichtlich hatte ich aber das Glück, einen solchen zu erleben. Im Nachhinein kann ich nur sagen: Rubin, du hättest den Shuttlebus abwarten sollen.

Auch Ricardo Villalobos fand sich unter anderem abseits des Sónar in der Stadt ein. Im Zuge einer Cocoon Nite im Kanna Beach Club gab er uns sein Können zum Besten während im Sugar Beach Club M.A.N.D.Y.und Thomas Schuhmacher an den Reglern drehten. Diverse Labelnights gab es selbstverständlich das ganze Wochenende über an den verrücktesten Plätzen der Stadt, und waren meist eine sichere Adresse für berauschende Nächte.
Auch in den unzähligen Clubs des Stadt wurde ein riesiges Alternativprogramm geboten.
Wie schon erwähnt, könnte man die Liste der Off-Sónar Aktivitäten und Dj´s ins schier unendliche ausdehnen. Wen sich wer im Nachhinein einen detailierten Überblick machen will – hier gibt’s einen Link.

El Resultado

Ich kann nach diesem Wochenende im Ausnahmezustand ein positives Résumé ziehen. So viele neue Eindrücke gehören jetzt erst einmal wieder verarbeitet. Und wie könnte das besser funktionieren, als wenn man sich damit auseinandersetzt.
Vieles vom Geschehenen wird sowieso für immer in die bunte Kiste gesperrt und auf ewig gehortet. Anderes muss man einfach gleich wieder verwerfen, sich keine weiteren Gedanken mehr darüber machen.
Die am Dienstag stattgefundene Fiesta de Sant Joan, der Beginn des eigentlichen Sommers, war so ein Erlebnis. Streichen kann ich es nicht mehr, daraus lernen schon - und hab es auch schon getan.
In diesem Sinne – Auf einen lehrreichen Sommer!!

Übrigens: Fotos wurden zwar von mir gemacht, aber ich deute es als ein Zeichen, dass die Batterien meiner LOMO just an diesem Abend ihren Dienst einstellten.
Ein Tag, der sich ab sofort somit nur mehr in meinem Kopf abspulen lassen wird - wunderbar

Dienstag, 23. Juni 2009


Garage Punk rules my Life –
The Incredible Staggers machten Pitstop in Barcelona!


Caminando

Alles Neue bringt der Frühling…. oder so. Zumindest kann ich nicht behaupten, dass ich in den letzten Wochen vieles in Doppelter Ausführung gemacht oder erlebt habe. Ständig passieren rund um mich neue Sachen, eigentlich schon wieder zu viele. Für jemanden, der vieles ein bisschen kann, aber nix gescheit, fatal. Immerhin muss man ja alles einmal probiert haben. Wo mich das in den kommenden Monaten noch hin verschlagen wird, ich weiß es nicht – will auch nicht daran denken…...und wenn ich es dann doch mache, dann hab ich gerade maximal ein Lächeln im Gesicht.
Manche Dinge fügen sich aber so geschmeidig ineinander, und zwar erst seit ich mich wieder in Barcelona befinde, dass es derzeit wahrlich keinen Anlass gibt auch nur eine negative Meeresbrise zuzulassen, bzw. irgendeiner Sache nach zu weinen.
Ein banales Beispiel:
Vor ein paar Tagen war ich auf dem Weg zu dem Mann mit dem wahrscheinlich passendsten Schnauzer überhaupt. Dieser führte mich die Carrer d´Avinyó entlang. Ihres Zeichens unter anderem die schnellste Verbindung von meinem Schlafplatz zum Meer, aber auch Informationsmeile für jegliche Abendveranstaltungen und kunterbunter Flyerwald mit heftiger Unterstützung der Sprayerszene.
Jedenfalls, wie könnte es auch anders sein, stach mir ein hässliches orangefarbiges, von einem grauenhaften Getränk gebrandetes, Plakat ins Auge. Es machte auf eine Veranstaltung im Sidecar aufmerksam. Ein Club, der zwar nur knappe fünf Gehminuten von „meiner“ Wohnung entfernt liegt, den ich aber bis dato nur vom Namen her kannte. Eine Band namens The Incredible Staggers würden dort auftreten stand da – allerdings in komischer Word-Schrift und ohne jegliche Erklärung wie z.B. Herkunftsland oder Musikrichtung. Dass es noch eine Partie geben würde, die sich The Staggers nannten, oder machte das „Incredible“ im Schriftzug den Unterschied aus? Mir war nicht wirklich geholfen, drum nahm ich mir vor die Homepage des Clubs anzusurfen, um eventuell mehr Informationen zu bekommen.
Und wahrhaftig. Graz/Wien würde auf Besuch kommen. Das freute mich in diesem Moment so sehr, dass ich anfangs doch glatt vergessen hatte, in Österreich noch nie ein komplettes The Incredible Staggers Konzert gesehen zu haben, sehr wohl aber einen Tonträger dieser Partie mein Eigen nennen kann. Ein Moment, der mich happy machte – auch weil im Ausland der Kontakt zu den heimischen Artisten ein ganz ein anderer ist.
Außerdem verdrosch ich vor mittlerweile vielen Jahren mal das Schlagwerk einer Band, welche wiederum auf einem Abend namens Voodoo-Hop im B72 aufgeigte. Diesen wiederum organisiert(e) Phil Vega$ gemeinsam mit Staggers Frontman Wild Evel. Und plötzlich befindet man sich wieder in der Vergangenheit, obwohl man gerade mit Volldampf in Richtung Zukunft braust.

By your Side(bar)

Als ich dann am späten Nachmittag den Club aufsuchte um ein wenig Kontakt mit der Band herzustellen war das schon ein witziges Feeling, als mich gleich einmal ein Bandbus mit Graz Umgebung – Kennzeichen begrüßte. Die Band saß, ein wenig geschlaucht von zehn vorangegangenen Tagen mit genau so vielen Shows und Aftershows quer durch Spanien, im ersehnten Schatten der Arkaden des Plaza Reial.
Es war bereits das dritte Mal, dass The Incredible Staggers die Iberische Halbinsel unsicher machten. Barcelona wurde aber zum ersten Mal angesteuert. Im Nachhinein gesehen ein weiterer Luxus Moment in meinem virtuellen Konzerttagebuch.
Über 100 Shows jährlich, etliche 7-Inches, ein Album und auch ein Gastspiel in New York stehen bereits im Lebenslauf der Band. Alles Zahlen und Fakten, die einem aber nur als Orientierungshilfe dienen, um welch beachtliches Projekt mit Herkunftsland Austria es sich da handelt. Als Personen und natürlich live merkt man aber schnell, dass es einem schwer fällt, das Ganze mit ein paar Worten zu beschreiben. Ich würde viel geben um so auf Achse zu sein – obwohl sich alles im Moment auch gerade ganz richtig anfühlt.
Fehlt eigentlich nur mehr deren zweites Album. Dieses sollte ja im sonnigen Spanien aufgenommen werden, wenn dann aber schon mal finanzielle Unterstützung vom Lande Österreich kommt, dann muss man halt über den Standort des Studios hinwegblicken. Immerhin wird das von einem dann ja verlangt. Bis es so weit ist, wird allerdings wieder der Herbst Einzug gehalten haben.
Man darf aber schon mal gespannt sein, welch Monster das Sextett in ihrem, mit psychodelischen Dämpfen durchzogenem, Garage –Punk-Labor da ins Leben rufen wird.
Jetzt sind sie aber mal auf Tour, und da ist sowieso alles anders, ist man vogelfrei – und in Spanien vielleicht noch ein bisschen mehr als wo anders.
Wenn bei jemanden allerdings schon Teenage Trash Insanity zu Hüftproblemen aufgrund heftiger Drehbewegung des Beines geführt hat, dann sollte man sich entweder schleunigst was einfallen lassen, oder mal bei Wild Evel nachfragen wie das Seinige solche Strapazen durchhält. Zumindest wird man ihm in den Geschichtsbüchern des Sala Apolo für seinen Tanzstil einen Absatz widmen. Die kommende Platte wird laut Aussage von Gitarrist Shakin Matthews nämlich erst so richtig nach The Incredible Staggers klingen. Na dann - Buenas Noches!!

No Como tu

Das es ein ausgesprochen feines Gefühl sein muss wenn sich in einer Stadt, geschätzte 2000 km entfernt von der Heimat, Publikum einfindet, das kann ich mir schon vorstellen. Die Szene ist hier klein, aber es gibt sie und Acts wie die Staggers werden geschätzt, sehr sogar. Dennoch war es im Endeffekt ein bunter Stilmix, der vom angehenden, gerade couchsurfenden Chirurgen aus Hamburg, bis zum Garage-Grrrrl alles abdeckte. Hier herrschte generell „No Como Tu“ was das die Musikinteressierten betraf – nicht wie du eben, oder du, oder du....
Stören tat das freilich niemanden, schon gar nicht, weil die trashige vintage Bombe der Österreicher auch hier in die Luft ging und jeden Einzelnen ein wunderbares Erlebnis in die Hirnwindungen brannte – auch wenn das mittlerweile irgendwo in den Katakomben des Sidecar an den Wänden pickt.

Die Band strahlte dieses gewisse Etwas aus. Sie scheint sich einfach überall zu Hause zu fühlen, und genau das soll Musik ja auch bewirken. Das man dann auch noch eine 7-Inch mit einer in spanisch vorgetragenen Single veröffentlichte, das ist wieder so eine Sache, die ich in Wien zum Beispiel lässig finden würde, hier aber schlicht und einfach als genial bezeichne, von einem ganz anderen Gesichtspunkt zu sehen verstehe. Man hinterlässt einen kräftigen Fingerabdruck und das ist wunderbar. Sogar Freunde aus Argentinien, denen ich die Platte vorspielte, steppten durch die Wohnung und brüllten den Refrain - „No Como Tu“. Und weil man ja stilbewusst handelt gibt’s als Draufgabe auf der B-Side auch noch eine superb version vom Klassiker „Hey, Hey“ der The Sound Barriers. Was soll da noch schiefgehen?

Caliente

Die Band brauste los wie einer dieser heißen Sandstürme, die einem hier schon gelegentlich daran erinnern, dass die Sonnenbrille dann doch irgendwo in der Wohnung herumliegen müsse. Im Nu verwandelte sich der Club in einen Ofen. Das Publikum ging von Anfang an mit, und Wild Evel beherrscht die Rolle des Anheizers perfekt. Innerhalb von Minuten hatte der Garage - Punk - Ofen die 60ies Grad Marke erreicht.
Das die Spanier ein sehr leicht zu handhabendes Volk sind, dass hab ich ja schon des Öfteren miterleben dürfen. Auch die Staggers hatten die Crowd im Vorbegehen auf ihrer Seite. Ein paar Brocken Spanisch, Authentizität und natürlich die Musik reichen da mehr als aus.
Was will man auch noch viel zu einer Band sagen, die nicht nur wunderschöne Instrumente besitzt, sondern diese auch noch gekonnt bedient. Und jedesmal, wenn Lightning Iris in die Tasten ihrer Farfisa Orgel haute, da wummerte ein Sound durch das Kellergeschoß, dass es einem fast die Schuhe auszog. Eine Sache die ihr nicht widerfahren konnte – Grrrrl von Welt surft barfuß durch den mit Trash gepflasterten Alltag. Beim Bassisten klingt nicht nur der Name extravagant, auch sein Phantom Bass rundete das Bild perfekt ab. Hier wird aber trotz aller Maskierung nicht gestylt, also nicht im wirklichen Sinn. Musik ist hier Lebenseinstellung, eine Sache, die ich zu später Stunde auf dem Parket eines Clubs live miterleben durfte. Eine wahre Lehrstunde in Sachen Rock´n´Roll History.
Als dann „No como Tu“ angestimmt wurde, konnte man das ja schon fast als ein Heimspiel im kleinen Rahmen bezeichnen.
Das mit der Fortdauer des Konzertes Wild Evel nicht nur optisch, sondern auch vom Tanzstil und der Gestik her Denis Lyxzén immer ähnlicher wurde, dass mag vielleicht nur ich so gesehen haben. Ans Herz legen würd ich dem Schweden The Incredible Staggers aber auf jeden Fall, denn spätestes seit dem letzten T(I)NC Album würde ein Abend mit beiden Bands wirklich Sinn ergeben, in vielerlei Hinsicht.

En la noche

Wie in den meisten Fällen, war auch dieser Konzertreigen viel zu schnell vorbei. Die Nacht hatte aber zum Glück erst angefangen. In den Straßen Ravals gab´s dann zu später Stunde noch ein sinnloses spontan Interview mit irgendeinem Radiosender, ein paar Leute gesellten sich noch zu unserer illustren Runde und gemeinsam tanzte man dem Morgen entgegen – logischerweise im Ballsaal.

Und wer gemeinsam mit Wild Evel seine Geburtstagssause feiern will, der braucht sich eigentlich nur am 11.Juli im Grazer P.P.C einzufinden. Eine weitere rauschende Ballnacht ist somit garantiert.

Nach solchen Nächten, da schießt auch mir immer wieder ein, dass irgendwann einmal "Garage Punk rules my life" an eine Wand in meinem Herzen geritzt wurde......genauso wie in die 7 -Inch.
Und auch wenn ichs mittlerweile oft übersehe, so wird es dort trotzdem für immer geschrieben stehen.

Konzertfotos gibts wieder HIER

Freitag, 5. Juni 2009

Primaverasound Festival - Barcelona / Dia 1


Drei Tage, Fünf Bühnen, ein Unplugged Zelt, 145 Acts, das angenehmste Publikum seit ich Festivals besuche, um einen herum das Mittelmeer und ein Nachtbus ins Bett. Wenn das der Frühling war, wie fühlt sich dann der Sommer an?

Angekommen

Oft hatte ich dieses Gefühl in dieser Art und Weise noch nicht verspürt. Wahrscheinlich sogar noch nie. Obwohl ich die letzten drei Monate genauso zu den Wichtigsten zählen würde, die mir bis jetzt widerfahren waren. Kommt man dann aber wieder in einer (immer noch mehr oder weniger) fremden Stadt an, mit einer anderen Sprache und einer anderen Mentalität, dann geht es Schlag auf Schlag. Weil nämlich auch da Leute auf einen warten, weil man Monate lang schon eine Wegstecke gemeinsam zurückgelegt hatte, weil man plötzlich nicht mehr der Fremde ist, der von einem Tag auf den anderen da gestrandet war. Man ist mehr. Ein Zahnrad von vielen, die es möglich machen, dass die Maschine vielleicht einen Takt runder rennt als normal. Und das Schönste – es beruht auf Gegenseitigkeit. Emotionale Wellen hauen einen um und drücken dich unter die Oberfläche. Da kann schon die eine oder andere Träne zusätzlich zu soviel Wasser vergossen werden, weil es egal ist – und oben drein noch das Ehrlichste auf der Welt. Andere Länder, andere Sitten, das hab ich schon mal geschrieben, und glücklich bin ich, dass ich das in dieser Art und Weise erleben, spüren darf.

Das mich Wien gar nicht loslassen wollte, dafür mach ich schlussendlich mein schlaues Büchlein verantwortlich. Aber was da drin steht, das pickt – blöd nur, wenn´s trotzdem falsch ist. Also bleibt´s erst wieder an mir hängen. Aber Dummheiten werden bestraft, und drum bin ich mit ein paar Hunderter weniger im Geldsack und einer kleinen Sightseeingtour übers Gelände des Züricher Flughafens reicher, letztendlich erst am Dienstag ein weiteres Mal in Barcelona gestrandet.
Dass die ganze Stadt im Fußballfieber lag, das konnte man spätestens in der Ankunftshalle vernehmen. Als ich dann am Mittwoch auch noch Zeitzeuge eines bis dato niemals zuvor geschafften Triples wurde, das hat auch mich als nicht bekennender Fußballfanatiker ziemlich gepackt.
Aber solche Einstige in eine neue Etappe, die sind wichtig, weil man im Vorbeigehen bestätigt bekommt, dass es der richtige Schritt war, weil sowas halt nicht passieren würde in meinem Leben in der Heimat.
Und kaum hatte ich mich wieder erholt von dem ganzen Spektakel, da stand auch schon das Nächste vor der Tür. Das Primverasound eben.
Aber jetzt ist das auch vorbei und somit die Phase des Ankommens abgeschlossen. Produktivität steht jetzt wieder im Vordergrund und das Ziel, sich wiedermal ein Stück besser kennenzulernen, eine neue Seite seines Gesichts zu entdecken und zu schauen, wo es einen hin verschlägt.
Apropos Gesichter: Von denen hatte das Primaverasound Festival übrigens jede Menge.

Das organisierte Gesicht

Ich ging es relaxt an, enterte das Festivalgelände erst gegen 22 Uhr. Fast schon Luxus, wenn man mit der Linea L4 gerade mal 20 Minuten vom Abendessen in der eigenen Küche zum Parc del Forum braucht. Aber irgendwie auch passend zur derzeitigen Sicht auf die Dinge.
Punkto Organisation hatte ich, was spanische Festivals betrifft, nur positives in Erinnerung. Auch hier schien alles bis ins Detail geplant. Und auch wenn das im Endeffekt für ein Mehr an Vereinfachung stehen sollte, so bringt es doch immer noch jede Menge zusätzliche organisatorische Arbeit mit sich. Anzusehen war es den Ausführende aber nicht. Gleich von Anbeginn weg wurde man mit positiven Vibes überrumpelt.
Ganz ohne Verantwortung wurde man dann aber doch nicht in den Festivalreigen entlassen. Zusätzlich zum mittlerweile ja Standard gewordenen Armband gab´s hier auch noch eine mit einem Strichcode versehene Plastikkarte, einer Bankomatkarte gleich. Nur in Kombination dieser Beiden konnte man das Festivalgelände passieren. Man hatte also eine Sache mehr, die man verlieren oder zu Hause vergessen konnte. Und obwohl es natürlich zur lückenloseren Kontrolle beim Eingang diente, so wurde uns doch irgendwie durch die Blume gesagt– „Genießt es in vollen Zügen und mit allen Vorteilen, die wir euch hier anbieten, aber bleibt am Boden der Realität“ Zumindest hab ich das als solches vernommen – und brav wie ich bin, auch befolgt.
Erst mal drinnen, war ich ziemlich perplex. Schaute der Parc del Forum in meinem Gedächtnis bis dato wie eine verlassene Mondbasis aus, so schienen plötzlich wieder alle Einwohner zurückgekehrt zu sein. Nicht wieder zu erkennen war das Ganze, und ich brauchte echt eine Weile, bis ich mich orientiert hatte. Für diejenigen, die den Parc del Forum noch nie zuvor gesehen hatten war das wahrscheinlich einfacher. Man brauchte ja nur in den Festival – Mood umzuschalten und den Schildern folgen.
Fünf Bühnen wurden auf dem Gelände platziert, jeweils auf unterschiedlichen Niveaus und daher jedes Mal mit einem anderen Spirit. So fand man sich einmal auf der konventionellen Betonfläche vor der Hauptbühne, auf der einem Amphitheater gelichenden Steintribüne mit Blick aufs Meer, unter Dach, oder parallel zum Wasser, mit Fußweg durch einen Schilfgürtel und Blick auf die mit einer Million oranger Lichter verzierte Küstenseite der Stadt. Das alles macht aber eben solche Aktivitäten erst recht zu einem Platz des Wohlfühlens, und das ist etwas, was mir immer wichtiger wird.

Das neue, alte Gesicht

Zu den Klängen von Yo La Tengo eröffnete ich dann meinen ersten Frühling/Sommer im Ausland, also ziemlich spät eigentlich. Aber ich konnte und wollte mich dann doch nicht früher aus einer gemütlichen Runde entfernen.
Am Festival fiel dann erstmalig die Sprachbarriere weg, was mir eine komplett neue Art der Wahrnehmung offenbarte und mir aufs Neue zeigt, dass es ja gar nicht so ist, wie viele glauben. Nämlich dass ich die letzten Monate nichts aus dem Kraut gebracht hatte, mir nichts aneignete. Ist halt eine andere Ebene auf der das basiert – die des menschlich wachsen wollens.
Nach den doch eher turbulenten 48 Stunden davor, hatte ich mir für Donnerstag ein nicht so dichtes Programm zusammengestellt. Gehöre ich im Normalfall aber schon zu dem Typus Besucher, der so ein Happening nutzt, um möglichst viele neue Acts zu sehen. Die Recherche davor zeichnete mir aber schon ein Bild, in welche Richtung dieser erste Tag des Primaverasound gehen sollte. In die der Shoegazer, der Psychodelischen & Wüstenssand aufwirbelnden Rockbands und in die eher verwaschene, abstrakte Richtung der Musikauffassung. In die Richtige also.
Mein unbestrittenes Highlight war an diesem Abend allerdings das wahrscheinlich popigste und mit am meisten Vorfreude erwartete Konzert zugleich. Jenes, des aus Versailles stammenden Kollektivs Phoenix nämlich. Deren neue Platte Wolfgang Amadeus Phoenix sorgte bei mir ja schon im Vorfeld für ein Frühlingsgefühl der Sonderklasse. Ich hatte die Burschen vor Jahren, damals noch zufällig, am Southside Festival gesehen und bin seither ein Fan der Franzosen. Auch die Bühne schien wie perfekt gewesen zu sein. Direkt am Meer positioniert, davor ein prallgefüllter Kessel mit Menschen und ein Oval an Sitzplätzen, dahinter eine Segelyacht die easy vor sich her schaukelte. Aufgrund der eher „kleineren“ Bühnen und dem im, Verhältnis zu den Besuchern gesehen, begrenzten Platz davor, spielte am Primavera jede Band im Prinzip vor vollem Haus, was auch aus Sicht der Artisten ein unbeschreibliches Gefühl sein musste. Anerkennung und Wertschätzung der eigenen Darbietung, egal ob man auf den Namen Sonic Youth oder „nur“ Lemonade hört. Phoenix konnte man getrost in die Kategorie der auch in Spanien eine große Fanbase Vorzuweisenden einordnen. Und weil der Timetable des Festivals genauso (bis auf ein paar Kleinigkeiten) perfekt durchdacht war wie der Rest, so war es einem locker möglich sich jede Menge Acts bis zur Schlussnummer anzuschauen, danach noch ein kleines Getränkelos aus den dafür vorgesehenen Automaten auszudrucken, dieses einzulösen und trotzdem ganz vorne zu stehen. Easy going, den ganzen Festivalbesuch lang.
Das einzige, das darunter litt, war die Länge der jeweiligen Slots. Ich würde sie im Durchschnitt mit einer halben Stunde bemessen. Ausnahme waren hier natürlich die Mainacts.

Das französische Gesicht

Auch Phoenix hatten das Privileg länger zu spielen, lieferten uns ein, schätzungsweise zwölf Nummern andauerndes, Hitfeuerwerk ab. Sie warfen gleich zu Beginn eine kunterbunte Bombe auf uns nieder, nach welcher eine „Lisztomania“ ausbrach, jeder am liebsten sofort einen „Long Distance Call“ in die Heimat machen wollte, nur um sich dann wieder in der Zeile „What you say, what you say is way to complicated“ aus „1901“ wiederzufinden. So wie auch auf deren neuer Platte, und ein bisschen zu meiner Verwunderung, platzierten sie „Love like a Sunset“ in ihrem Set in der Mitte. Am Album schon eine Nummer, die den Franzosen eine Herzensangelegenheit zu sein schien, wurde sie auch live in herausragender Manier und in einem wunderbaren instrumentalen Spannungsbogen dargeboten, und am Ende von Thomas Mars schlicht mit nur einer Zeile besungen und gleichzeitig beendet. „Love like a Sunset“ eben. Ein wunderbarer Moment.
Danach noch die ultralange, abgeänderte Version von „If I feel better“ , logischerweise „Run, Run, Run“, „Lasso“, „Fences“ und ein strahlender Repertoire-Mix aus Altem und Neuem. Als Schlussnummer wurde dann (wenn ich mich nicht täusche) „Everything is everything“ gesetzt und ausgeschlachtet bis der Drummer schlussendlich seine Sticks senkrecht in die Snare rammte – als demonstratives Zeichen, dass sie zwar gerne noch eine Stunde spielen würden, aber das ginge ja jetzt nicht mehr so leicht. Ich war danach mindestens genauso beeindruckt wie die Band selbst.

Das psychodelische Gesicht

Die wahren Neuentdeckungen dieses Donnerstags waren meinerseits aber Dead Meadow aus L.A.und Wooden Shjips aus San Francisco. Beides Bands, die das Wort Rock aufs Minimum reduzierten, aber trotzdem mächtig Dampf dahinter packten. Schwer psychodelisch, meist ein stupides, minutenlange nach vorne stolperndes 4/4 Schlagzeug beinhaltend, wo nach schätzungsweise jedem 15 Takt ein Beckenschlag gesetzt wurde. Dazu wenig bis gar kein Gesang. Dead Meadow waren aber noch die melodischeren, mit einer Brise Blues angehauchten, der Beiden. Wiedererkannt hätte ich sie aber aufgrund der Vorab – Listeningsession auch nicht mehr. Wenn dann doch eine lyrische Message vorgetragen wurde, dann sehr unverständlich, was leider des Öfteren auf den eher schwachen Sound zurückzuführen war, in zumindest einem der beiden Fälle aber auf den Zustand der Personen hinterm Mikro. Wer braucht schon singen, wenn man doch auch die in der Mitte der Bühne in Stellung gebrachte Whiskyflasche leeren, und einen Schachtel Zigaretten rauchen kann. Wunderbar. Einfach Augen zu und durch.
Nach soviel Staub in der Lunge brauchte ich aber dringend ein Bier, blöd nur, dass ich zufälligerweise bei der Hauptbühne vorbeikam, wo My Bloody Valentine gerade das Schlussdrittel ihres Konzertes einläuteten. Genauer konnte ich das nicht eingrenzen, da, als ich mich einfand, bereits der Start der wohl heftigsten Shoegazer Rakete schon vollzogen wurde. Dieses, niemals zuvor in so einer Art und Weise vernommene, Soundgewächs, das kurz davor stand, die Anlage in Tausend Stücke zu zerfetzen, war so kaputt, dass es mich schon wieder beeindruckte. In Cape Caneveral mag es wohl komplett ident klingen, nur befindet man sich in sicherer Distanz zum Objekt und das ganze Spektakel ist in wenigen Minuten beendet. Die Urgesteine des Shoegazing wissen aber natürlich, wie man einen Mund schätzungsweise 20 Minuten daran hindert, sich wieder zu schließen. Unglaublich, und so laut, wie ich „Musik“ noch nie zuvor in meinem Leben gehört hatte. Ich wusste ja gar nicht, dass es so laut überhaupt noch geht.

Das verstörte Gesicht

Ponytail holte mich dann wieder auf den Boden der Realität zurück, oder vielleicht war ich da auch schon in einer anderen Galaxy. Auf jeden Fall war das nervöse Herumgekreische von Sängerin Molly Siegel nicht mit meinem Zustand zu vereinbaren. Ich würd es sogar mit „Schrecklich“ bezeichnen.
Drum begab ich mich auf einen Sprung zu Aphex Twin, der einsam und allein auf der Bühne vor sich her schraubte, und sein Set verhältnismäßig chillig begann. Bis ganz zum Schluss konnte ich diesen aber auch nicht verkraften, wanderte daher noch kurz hinüber zu Wavves, welche noch mal eine Soundexplosion auf der Pitchfork Bühne ablieferten, um dann mit dem Nachtbus in mein Bett zu gondeln. Der Einstieg war aber vielversprechend und auf jeden Fall gelungen.

Die Gesichter und mehr gibt´s hier:

PRIMAVERAPIX

Primaverasound Festival - Barcelona / Dia 2


Das freshe Gesicht

Tag zwei startete für mich dann sehr früh. Immerhin war mit Bat for Lashes ein schon lange erwartetes Ereignis am frühen Abend platziert. Der erste Kontakt den ich an diesem späten Nachmittag aber hatte, das war jener mit Andrew King, seines Zeichens Gitarrist der unglaublichen Crystal Antlers. In Anbetracht der tausenden Menschen ein eher witziger Moment.
Erstmals präsentierte sich mir das Gelände auch von der sonnigen Seite und die Britin untermalte dazu das Ganze auch noch perfekt mit ihrer verträumten Musik. So muss sich ein Festival anfühlen. Auch das Outfit von Natasha Khan und die dazugehörige Bühnendeko trugen dazu bei, sich in einer anderen Welt zu glauben. Zusätzlich zu den Gazellen Trophäen und den hundert anderen Gimmicks, fehlte nur mehr der offene Kamin auf der Bühne. Stattdessen gab es aber das Fenster zum Meer. Das war allerdings sperrangelweit offen, und verhalf somit ihrem Stilmix aus Traumchanson, verrücktester Instrumentierung und jeder Menge in den Songs schlummernden Wünschen hinaus Richtung nicht enden wollenden Horizont zu entsenden. Als ich mich dann bei „Moon and Moon“ umdrehte um die Reaktionen des Publikums zu vernehmen, und auch noch den schon leicht am Himmel sichtbaren Mond wahrnahm, da war dies die perfekte Ergänzung. „Daniel“ setzte dann den Schlusspunkt hinter diese, künstlerisch auf allen Ebenen wertvolle, Darbietung. Ein wunderbarer Openingact für einen Tag, der sich dann aber hauptsächlich vor der Pitchfork Bühne abspielen sollte, und somit im Reich der jungen Wilden.

Das crazy Gesicht

Ich machte mich im Anschluss direkt auf den Weg zu den verrückten Vivian Girls, erspähte aber nur mehr drei Songs, dafür aber einen weiteren Crystal Antler. Sexual Chocolate gab bei der Girlsgroup nämlich den Mann am Tambourine und passte hervorragend ins Bild. Das die Mädels ein bisschen außer sich waren hatte dann aber wahrscheinlich doch andere Gründe. Lower als Low-Fi wirkte das Herumgewerke da vor meinen Augen. Als ob man gerade die zweite Stunde der „Wie nehme ich ein Instrument in die Hand – Lektion“ absolviert hatte. Beim letzten Song wurde dann noch fliegender Instrumentenwechsel vollzogen, was erst recht zu einem Chaos führte, ehe man dann mit Knicks die Bühne verließ. Sehr sexy und als schlecht würd ich es dann doch nicht bezeichnen, schon eher als lustig – aber das soll Musik ja auch sein.
Danach verlief ich mich ein bisschen, blieb in ewig langen Gesprächen mit wildfremden Personen hängen, genoss die letzten Sonnenstrahlen und entspannte ein wenig. Nebenbei warf ich einen Blick auf Spiritualized, die ich ja nicht sonderlich gut kannte, die mich aber nicht erst aufgrund ihrer Coverversion von UB40´s „Can´t help falling in love“ überzeugten.
Pünktlich und mit wieder geschärftem Wahrnehmungssinn fand ich mich dann vor der Band wieder, die den wahrscheinlich besten Indie Soundtrack für den bevorstehenden Sommer abliefern.
The Pains of Being pure at Heart. Eine nicht nur aufgrund ihrer Musik durch und durch sympathische Bande. Was mich hier wirklich wunderte, und wo ich teilweise meinen Vorurteilen bezüglich der Musikwahrnehmung der Spanier eines besseren belehrte wurde, war, dass es fast keine Nummer gab, bei der nicht lauthals mitgesungen wurde. Davon waren auch die New Yorker sichtlich beeindruckte, und ließen sich zu Aussagen mit hohen authentischen Emotionswerten hinreißen.
„This is our first time ever in spain, and you all make us incredible happy right now. Thank you so much.“ - Klingt plump, kam aber sichtlich direkt vom Herzen.

Das aller, aller schönste Gesicht

Was ich dann bis zum Beginn der Crystal Antlers machte, das ist mir bis jetzt noch nicht eingefallen. Wenn ich mir den Timetable aber so anschaue, kann ich jeden zu dieser Zeit performenden Act mit hundertprozentiger Sicherheit von meiner Liste der gesehen Gruppen streichen. Irgendwie verblüffend, aber soll so sein. Mit den Gedanken war ich den ganzen Tag sowieso schon bei den Wahnsinnigen aus Long Beach. Das diese dann aber so extrem anfuhren, das war schon schwer zu verkraften. Fegten die Crystal Antlers bis dato zu fünft von einem Gig zum anderen, so verwandelten sie sich aufgrund des seit geraumer Zeit auch live an der zweiten Gitarre hantierenden Errol Davis diesmal zu einem Hurrikan der Stufe Sechs. Unpackbar welchen Schalter diese Herrschaften einfach ohne lang herum zu fackeln vor einem Gig umlegen müssen. Mit den Hand in Hand gehenden Opening-Tracks „Painless Sleep“/„Dust“ rüttelten sie Diejenigen, welche vielleicht noch immer bzw. schon wieder nicht die Augen aufkriegen konnten, ordentlich munter. Der Staub legte sich aber keine Sekunde, im Gegenteil. „Andrew“ wurde angerufen um auch noch den Soul mitzubringen, wodurch alle auch noch anfingen mit den Hüften zu kreisen, während eine Hand permanent nach den Sternen griff. Der Gig mutierte zu einem absoluten Highlight in meiner endlosen Konzertliste. Den besten Schlusssong der neuen Zeitrechnung im Rock´n´Roll hatten sie mit „Parting Song for the torn sky“ ja sowieso schon auf ewig und einen Tag inne. Dass sie dann auch noch die komplette Vivian Girls Belegschaft plus die mitgereisten Freunde als Verstärkung auf die Bühne holten, dass wird so schnell nicht mehr passieren, schon gar nicht in Spanien. Das Konzert endete somit also im programmierten Donnerwetter, mich streifte ein Blitz und dem Herrn neben mir ging im wahrsten Sinne des Wortes einer ab. Was sollte da noch kommen, außer dem üblichen Pfeifen in den Ohren.

Das bärtige Gesicht

The Mae Shi zum Beispiel. Doch alles was jetzt noch folgte, egal wie grundlegend unterschiedlich die Musik auch sein mochte, wurde automatisch an dem Sextett von der Westküste gemessen. Drum werde ich dieses Konzert auch nur als eine Gradwanderung zwischen Geniestreichen, und absolut für mich unvertretbaren Wahnsinn im negativen Sinn, beschreiben.
Außerdem wartete Jarvis Cocker ja schon auf der Estrella Damm Bühne, der Größten des Festivals. Den kannte ich zwar auch nur flüchtig, das neue Album hatte sich aber dank Freund Ostermann noch rechtzeitig zur Dauerrotation in meine Playlist geschlichen. Und obwohl uns wirklich viele Acts einen eher verwaschenen Sound auftischten, eine Sache auf die ich auch noch keine Antwort gefunden habe, so glänzte Kollege Cocker mit dem genauen Gegenteil. Glasklar, kräftig und eigentlich das homogenste Konzert abliefernd, präsentierte sich der Ex-Pulp. Hier konnte man alles wieder finden. Er zeigte uns, dass man auch auf der winzigsten E-Gitarre den straightesten Blues spielen kann, ließ das Teil kreischen, erschuf mit „Leftovers“ den perfekten Song um sich gegenseitig im Reich der Zärtlichkeiten austauschen zu können, stolperte salopp mit dem Mikro in der Hand über die Bühne, und auch das ihm sein Discooutfit gut stand, präsentierte er uns im vorbeigehen. Nebenbei lernte ich zusätzlich zu „Andrew“ und „Daniel“ auch noch „Angela“ kennen. Wunderbar, und somit war die Runde fast komplett. Dass dies alles vom stilsichersten Abgefuckten kam, das war schon ziemlich lässig. Und weil ich mich so wohl fühlte in seiner Nähe, zog Shellac leider den Kürzeren.

Das zerstörte Gesicht

Danach ging bei mir nicht mehr viel, verbündete ich mich mit einem Fotografen und wir machten gemeinsam das Gelände ein bisschen unsicherer. Bloc Party würdigte ich dann aber doch noch einen kurzen Abstecher. Jedoch ohne jegliche Erwartungshaltung, war dann aber positiv überrascht, obwohl das Publikum schon sichtlich erledigt zu sein schien. Kele Okereke hatte jedenfalls so seine Mühe ein paar Funken überspringen zu lassen.
Dann war aber endgültig Schluss mit Gitarren. Kam ja in letzter Zeit nicht sehr oft vor, dass ich mir gleich mehrere Stunden am Stück Bands im klassischen Sinn angesehen hatte. Viel eher beschränkte sich das auf zwei Turntables und technoide Beats. Drum beendete ich meine Phase des Aufnehmens und Verarbeitens, holte die Segel und den Anker ein und ließ mich ein bisschen treiben. Als dann gegen sechs Uhr Morgens Michael Mayer seine letzten Tunes durch die Boxen jagte, da begrüßten uns schon wieder die ersten hellen Fetzen am Himmel. Guten Morgen Spanien und diesmal ging´s mit der Metro ab in die Federn.

Die Gesichter und mehr gibt´s hier:

PRIMAVERAPIX

Primaverasound Festival - Barcelona / Dia 3


Das undefinierbare Gesicht

Ich registrierte am Samstag erst so richtig, dass ich ja schon zwei Tage überstanden hatte. Spurlos an mir vorbeigegangen waren diese, obwohl ich die Zügel ziemlich kurz hielt, aber dann doch nicht. Drum beschloss ich es wieder einmal ein wenig lockerer anzugehen, was dann aber sowieso von alleine passierte. Durch den späten Start, grenzte sich auch die Liste der zu sehen wollende massiv ein.
Neil Young spielte bis dato in meinem Leben auch nicht wirklich eine Rolle, und fast hätte das zum Umstand geführt, dass ich ihn auch noch sausen hätte lassen. Dann war ich aber schon ziemlich happy, als ich zumindest eine gute Stunde seines Sets zu Ohren bekam. Der Sound war, sicherlich mit Jarvis´, der Beste des ganzen Festivals. Seine Show würde ich als absolut authentisch bezeichnen, seine Stimme zu Recht als ein immer noch explosives Organ, sein Gesicht allerdings als undefinierbar. Das Vorankommen an diesem Tag fiel einem aber merkbar schwerer, was nicht auf die schon kapitulierenden Füße, sondern auch auf das Mehr an Besuchern zurückzuführen war. Auch der Altersschnitt lag ein paar Jahre über den der letzten Tage, und Sonic Youth Shirts avancierten zum Mode Accessoire Nummer eins. Generell handelte es sich aber schon die letzten Tage über um ein schön anzusehendes Phänomen, weil es ein solches lockeres Miteinander so vieler Altersklassen bei uns einfach niemals geben wird – genauso wie so ein Festival. Ich holte mir diesbezüglich mit einem kleinen Fotoprojekt auch noch die absolute Gewissheit, und bekam auf meine doch eher ungewöhnlichen Fragen immer ein strahlendes „Si, por que no“ zurück.
Es wäre müßig jetzt noch viele Worte über Hr. Young zu verlieren, dass es sich trotzdem cool anfühlte „Rockin´ in a free world“ mal nicht von der Zweitstimme Eddie Vedder´s zu hören, das gehört dann aber schon erwähnt. Und ja Carlos, da hätt ich dich gern neben mir stehen gehabt. Wie der Gute dann aber beim letzten Song mit einem gekonnten Riss die Seiten von seiner Gitarre abfädelte, das hab ich dann doch nicht verstanden. Wahrscheinlich fehlen mir da die Jahre und die Kenntnis dieses Instrument.

Das wohl verrückteste Gesicht

Und weil Deerhunter gleich gegenüber spielten, schaute ich dort auch noch vorbei. Die waren dann auch eines meiner Highlights beim Primaverasound. Warum genau das weiß ich nicht, ich konnte mich aber einfach nicht mehr von dieser Bühne entfernen. Ziemlich fesselnd war dieser bekiffte Sound, den sie, seelenruhig auf der Bühne stehend, an uns weiterreichten. Nur dem lästigen Kamerakran vor der Bühne musste ich mich geschlagen geben. Ja, nicht mal umstellen wollte ich mich. Machte aber nix, zu sehn gab´s da eh nicht wirklich etwas.
Dann folgte ich dem Rat eines ziemlich aufgedrehten Londonders, mit welchem ich am Vortag einige Zeit abgehangen hatte. Naja, Lomo und Holga passen einfach gut zu einander. Punkto Style kann ich mit einem Schwarzen natürlich nicht mithalten, noch dazu wenn seine Kamera nicht in den üblichen Ostblockfarben bestach, sonder in heftigstem Silber aus einem reizenden Ledertascherl glänzte. Ich müsse mir unbedingt Gang Gang Dance anschauen meinte der. Seine Worte in meine Ohren, und gut war es. Denn was ich da zu Gesicht bekam, das konnte ich plötzlich auf die Selbe Stufe stellen, wie die Crystal Antlers. Allerdings einem anderen Genre zugeordnet.
Unglaublich was diese Partie für Power versprühte. Irgendetwas ging da auf alle Fälle nicht mit rechten Dingen zu, und allein schon der einsame vor der Band herum hüpfende Asiate (der aber offensichtlich doch zum Tour Tross gehörte) bekräftigte meine Vermutungen. Hier regierte das Tanzbein, die Menge tobte und die einzelnen Mitglieder hatten auf der Bühne alle Hände voll zu tun. Eine Unzahl von elektronischem Wirrwarr, Effektgeräte, blinkende Reglertürme und logischerweise Synthies, häuften sich rund um die charismatische Frontfrau. Das diese nebenbei noch so perfekt im Einklang mit dem besten Drummer den ich auf diesem Festival gesehen hatte ihre Kongas und Stand-Toms bediente, das verhalf den schon unpackbar knackig gespielten Beats zu einer noch viel immenseren Eingängigkeit. Nicht mehr aus meinen Kopf zu kriegen sind seither Nummern wie „House Jam“ oder „Desert Strom“.
Ich hatte danach schon richtig Angst von Simian Mobile Disco enttäuscht zu werden. Und obwohl ich dieses Duo schwer bewundere, so interessierten sie mich an diesem Abend tatsächlich gar nicht mehr so. Irgendwie haute das zwar mächtig rein, die i-Pünktchen auf Simian fehlten aber, da konnte auch die wirklich wunderbare Darbietung von „I Believe“ nichts daran ändern. Ansonsten kann man sich eine SMD Show wie das bekannte Spielchen „Reise nach Jerusalem“ vorstellen. Statt einem Sessel gibt’s aber eine wild blinkende Kommandozentrale in er Mitte der Bühne, und sitzen ist sowieso verboten. Wie viel Show das Ganze dann letztendlich beinhaltet, das kann ich nicht sagen, aber eigentlich war ich ja schon auf den Weg zu einem weiteren, lange erwartenden Happening.

Das schwarze Gesicht

Die Black Lips aus Atlanta gaben uns um drei Uhr Morgens nämlich auch noch die Ehre. Die waren ja meine Entdeckung nach dem letztjährigen Benicassim und werden für mich daher immer eine Sommer Band bleiben. Allerdings die Kaputteste von allen. Leider versagte hier der Schlagzeug – Sound auf allen Ebenen. Jeder Schlag hörte sich so richtig schrecklich an und auch wenn das vielleicht alles ein bisschen vintage klingen sollte, so hatte man einen gewissen Punkt überschritten. Eine beachtliche Menge fühlte sich wohl aufgrund eines Songtitels der neuen Platte dem angesprochenen Thema gegenüber ebenfalls zu etwaigen Übertreibungen animiert. Songs wie „Short Fuse“ oder „Starting Over“ funktionieren nämlich auch schon im Normalzustand ganz gut.
Danach war für mich das Festival als Beobachter aber endgültig zu Ende, galt es nur noch einmal ordentlich bei A-Trak und Dj Mehdi abzufeiern, was dann auch wunderbar klappte.

Bleibt eigentlich nur noch zu sagen: Ein wunderbares Festival, das nicht zuletzt aufgrund seiner verschiedenen Gesichter so richtig Spaß machte.
Ich werde dann einfach mal schauen was das Leben bis zum nächsten Festival so mit mir vor hat. Hören wird man sich allerdings schon wieder in Kürze.

Und noch das verweinte Gesicht

Und all jenen, die noch auf der Suche nach einem Erlebnis für die Geschichtsbücher kommenden Sommer sind, denen sei der 19.8.2009 wärmstens empfohlen. An diesem Tag steigt in der Arena Wien nämlich ein Abend unter dem Motto "Veni Vidi Vice", wo sicherlich kein Auge trocken bleiben wird. Zumindest kommen mir schon jetzt die Tränen, dass ich diese Nacht mit den Black Lips, den Crystal Antlers, Deerhunter und Glint versäumen werde.

*thez*

Diesen Artikel widme ich meinem Freund G. und seiner Familie. In Gedanken bin ich bei euch.

Die Gesichter und mehr gibt´s hier:

PRIMAVERAPIX

Sonntag, 31. Mai 2009

Malajube - 22.05.2009 - B72


Der Tag an dem Malajube ihr Labyrinth mit Schweiß fluteten. Nach uns die Sinnflut.

Rotation

Manchmal kann ich nicht nur die Welt nicht verstehen, sondern auch mich nicht. So geschehen, vor ein paar Stunden. Und was sich jetzt wieder auftut, das ist die Frage nach dem Sinn bzw. dem Grund. Alles muss und soll man aber nicht hinterfragen hat mir jemand mal gesagt, dessen Worte mich schon oft zwischen Resignation und Frühlingsgefühlen schweben haben lassen. Und genau das ist das Problem. Naja, „System Failure“ würde Jack singen, vielleicht renn ich aber auch noch immer im Labyrinth spazieren, dass sich am Freitag eigentlich noch als ein verdammt chilliges offenbart hatte. Und dann denk ich wieder an jenen Abend, an die Truppe, und weiß, dass eh alles richtig ist was ich so aufführe mit dem hier und jetzt. Übrigens – schon mal einen Polizisten getroffen, der Malajube kennt?? Nein?!! Na dann warte mal ab, wenn dich erst mal dein Dad aufklärt von wo die eigentlich kommen.

Unplugged am Gürtel

Ich war ein paar Minuten zu früh, machte aber nix. Und weil es mich nicht gleich zur Bar zog, schaute ich mir den Bogen 72 einmal von der andere Seite an. Dass genau dort, irgendwo zwischen Ziegelviadukt, Rollladen und Radweg die vier Kanadier von Malajube gerade eine Unplugged Session zum Besten gaben, damit konnte ja keiner rechnen. Beschweren tut man sich natürlich nicht über so eine exklusive Einlage, vielmehr führte das alles nur dazu, dass meine Vorfreude aufs eigentliche Konzert ein paar Stufen nach oben kletterte.
Labyrinthes heißt die neue Platte der vier Burschen aus Québec, und wiedermal ist der Name grad Programm in meinem Leben, kann ich mich hundertprozentig damit identifizieren. Ein Irrgarten der Gefühle. Mit dem Unterschied, dass es mir bei der LP nichts ausmacht, ein paar Stunden am Stück blind durch die enggebauten Gassen zu huschen. Der Titel wurde übrigens gewählt, weil man sich ein Jahr lang von der Bildfläche zurückgezogen hatte, nur ab und an mal einen kleinen Gig in irgendeiner Bar spielte und sich im Laufe dieser Zeit dermaßen viel Songs angesammelt hatten, dass man sich nicht mehr zurecht fand. Sehr vieles wurde im Endeffekt dann wieder verworfen, die nächste Platte scharrt aber schon in den Startlöchern, wird im Anschluss der laufenden Tour eingespielt werden. Das letzte Album wurde übrigens in den selben Räumlichkeiten aufgenommen, deren Wände auch schon der Stimme Elvis´ lauschten.
In Österreich waren sie zuletzt im Jahre 2007, damals noch im Chelsea. Umso verwunderlicher, dass sie diesmal ins B72 runter degradiert wurden. Bassist Mathieu Cournoyer antwortete mir auf die Frage der scheinbar immer kleiner werdenden Locationsituation in Wien mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen und nach oben gezogenem Schnauzer, dass er sowieso mal mit dem Booker reden müsse. Es mache ihnen aber nichts aus in so kleinen Clubs zu spielen, viel mehr sind sie glücklich wieder in Österreich zu sein. Außerdem seien intimere Gigs sowieso die bevorzugten. Ich kann mir Malajube mittlerweile in einem großen Rahmen ja auch gar nicht mehr vorstellen.

Hells Bells

Dann fiel endlich der Startschuss für das große Verrennen. Das B72 war voll gesteckt, mutierte an jenem Abend zum Inn-Treff für Leute, denen geregeltes Vorankommen auf ausgeschilderten Straßen genauso ein Gähnen ins Gesicht reißt, wie mir bei Geschichten über Spongebob. Schön brav folgte man der von den vier Kanadiern gelegten Spur, die doch prompt in ein Stimmungshoch führte. Und als dann „Ursuline“ gleich beim ersten Song des Abends meine Hand nahm und anfing zu laufen, da fühlte sich das richtig gut an. Hinein in ein komplexes System, in ein Dickicht verträumter französischer Gesangswelten, das hinter jeder Ecke mit einer neuen Überraschung auf uns wartete. Nachdem am Ende der Nummer live dann nicht die Glocken vom nahegelegenen Friedhof erklangen und mich aus dem Gefühlstaumel dieser undefinierbaren Parallelwelt zurückholten, blieben die Augen einfach geschlossen.

Es ist schwieriger als normal ein Konzert in Worte zu fassen, dessen Themenlandschaft man nicht versteht, wo einem rein die Musik zu sagen scheint, was der Grund für den Besuch ist. Klebt man aber seit Jahren im Spinnennetz von Malajube, dann ist dem gar nicht mehr so. Man braucht nur wiederzugeben was eine Stunde lang so auf die fantastischste Festplatte des Universums niedergeschrieben worden war. Nur, wo fängt man an mit seinen Worten?
Ich würde Malajube als ein wahrliches Phänomen bezeichnen, als eine Band, die sich so relaxt und unbeeindruckt gibt, die scheinbar gar nicht erahnt, was für eine Freude sie einem machen mit ihrer Anwesenheit. Zugegeben, die Songs wirken auf Platte wie das perfekteste Stück Musik, wie der Soundtrack für eine Million von Momenten. Live kommt dann auch noch dieser so wichtige, emotionale Faktor zu tragen, die Gefühlswelten der Malajube´s sozusagen, die wahren Menschen hinter dem Stück Plastik, das man in den Händen hält, anschaut und dabei leicht seinen Kopf schüttelt, weil es sowas ja gar nicht wahrhaftig geben kann. Es wird brachialer zu Werke geschritten, Nummern fließen selten ineinander, stehen meist als Eigenständige Teile im Raum, werden auch nach minutenlangem Dahinreiten auf meterhohen Progwellen zu einem nicht immer definierbaren Ende gebracht. Also gegen vielleicht aufkeimenden Erwartungen. Blitzartige, hochamperige Stromstöße werden mit nur wenigen Tastenanschlägen der Moog´s und Korg´s in kälteste, den ganzen Körper überziehende Wohlfühlschauder umgewandelt, Popsongs die einem dahinschmelzen lassen mutieren zu Hardcorenummern im eigentlichen Sinn. Der Drummer peppte sein Set mit einer Unzahl von Ghostnotes auf, setzte Fills anders als auf Platte und für jemanden wie mich, der immer ein Auge mehr aufs Schlagzeug wirft, war das schon großes Kino. Nebenbei wand sich Sänger Julien elegant von einer weißen Schuhkappe auf die Nächste, schlängelte sich fast einen Knoten in die Beine und verschob die schrägsten Akkorde auf der im Schweiß gebadeten SG. Das alles wirkte aber so authentisch und leicht von der Hand gehend, dass es, wenn man sich ohne Furcht diesem Labyrinth hingab, einem fast auch noch die Stimme verschlug.
Genau so war es aber am leichtesten die gelegte Fährte der Kanadier zu verfolgen, von Compte Complet, dem ersten Album, durch die Scheinwelten von Trompe-l´Oeil, bis eben in die dunkelsten Winkeln von Labyrinthes. Und als dann mein wohl musikalisch sehnlichster Wunsch an diesem Abend, die Liveperformance von meinem derzeit für so viele Sachen stehende Track, „Christobald“ nämlich, in Erfüllung ging, da war ich sicherlich einer der Glücklichsten im Raum. Von dieser Mars Volta´schen Snare/Tom - Kombination, diesen Stickschlägen auf die Bell des Ridebeckens und dem Druck, den diese Nummer live zu erzeugen vermochte, werde ich wohl noch vielen Freunden die Ohren vollsingen.

Wundertüte

Nach dem Konzert bekam ich dann noch eine kleine Anekdote aus dem Kanadischen Tourbuch zu hören. So war der Weg vom Überraschungskonzert in Graz nach Wien mit genau so einer gepflastert. Normalerweise, so erzählte mir Mathieu, hätte man als Band immer nur in Deutschland die üblichen Probleme mit den strengen Herren in Uniform, welche so gar nicht kapieren wollen, welche Maßnahmen man auf Tour anwendet um ein bisschen zu entspannen. In Österreich war es dann aber diesmal auch so weit. Dass einer der Polizisten dann aber tatsächlich Malajube kannte, sie gar nicht so schlecht fand und zufälligerweise noch keinen Tonträger im Regal stehen hatte, das sorgte dann, unglaublich aber wahr, zu einem reibungslosen Ablauf der Amtshandlung. Da sagen wir doch im Kollektiv danke, und haben ab jetzt die Gewissheit, dass auch in Polizeiautos Alternative Radiosender empfangen werden können. Das gehört ja dann förmlich mit einer Spaßzigarette gefeiert.
Und ob das nicht schon genug Verwunderung an einem Tag wäre, so erzählte mir die Dame mit dem unglaublichen Gespür fürs perfekte Bild, dass ihr Dad heute sogar bei einer kurzen Diskussion bezüglich der Herkunft von Malajube mit Insiderwissen glänzte. Weiß ja wohl wirklich jeder, dass die Burschen aus Kanada kommen. Unglaublich, und das noch mit Stil.

Artig

Für Liebhaber des DIY Gedankens sei noch gesagt, dass auch das Cover der aktuellen Platte von Sänger Julien entworfen wurde. Und auch wenn es auf en ersten Blick mit dem Artwork von Trompe-l´Oeil nicht mithalten kann, so beachte man bitte, dass Labyrinthes Übersee mit einem feinen Strukturcover zu erwerben ist, was das ganze natürlich auf eine künstlerisch andere Eben hievt. In Europa wurde diesmal leider auf einen Vinyl-Release verzichtet. Das Minus der letzten Platte muss ja nicht auch noch übertroffen werden.

Peace und noch mehr Love vom *thez*

alle Fotos gibts hier:

http://picasaweb.google.at/zellerluoid/DropBox?authkey=Gv1sRgCJ-gvKb98o6oVQ&feat=directlink

die anderen wunderbaren aus Rexi´s Welt hier:

http://www.katharinareckendorfer.com/

und hier

http://www.analoggang.at/


Mittwoch, 13. Mai 2009

...and You Will Know Us by the Trail of Dead - 7.5.2009 - WUK/Wien


Eine Führung abseits der bekannten Pfade, und trotzdem führen alle Wege scheinbar mitten ins Herz - Conrad Keely & Konsorten und der Weg „Back to the Roots“

Ende gut……


Irgendetwas musste schiefgelaufen sein an besagtem Donnerstag. Entgegen allen Prognosen aus der Progressive-Wetterstation war weit und breit keine dunkle Wolke zu sehen, sogar Singvögel begleiteten mich auf den Weg zur Location und der angekündigte Orkan sorgte offensichtlich wo anders für zersauste Frisuren. Scheinbar auf Zehenspitzen musste sich das Kollektiv aus Texas bzw. mittlerweile New York in die Stadt geschlichen haben. Und weil ihnen „Fucking Europe“ und im speziellen „Vienna“ so gut gefällt, wurde sogar überlegt, ob nicht noch ein zusätzlicher Tag zwecks Kultur und Interessenbefriedigung eingelegt werden sollte. Der Tourplan ließe es zu, und nachdem am Vortag in Prag nicht mal die Zeit ausreichte, um die Dali Ausstellung zu besuchen, brauchte man ein kulturelles Trostpflaster. Conrad Keely antwortete mir auf diese Frage jedenfalls mit einem Leuchten in den Augen, er wisse nur nicht wo er an lediglich einem Tag seinen Kunsttrieb sättigen sollte. Ein paar Minuten später verschwand dann ein vollgekritzeltes Post –It im schweren Ledergeldbörsel. Ein Problem weniger, sehr fein. „Thanks, and take it easy man!“ – Klar doch, werd mich bemühen. Aber da war doch noch was, abgesehen vom höllischen Pfeifen in meinen Ohren.

Anfang auch gut…

Ein wenig überrascht schaute ich drein, also ich meine erste Runde durch den chilligsten Innenhof Wiens drehte. Reger Andrang schaut an Ort und Stelle normalerwiese anders aus. Auch Abendkassa gab es noch zur Genüge. Da soll sich noch einer auskennen. Vor zwei Wochen, am selben Ort des Geschehens, allerdings um spontan ein (wie ich hörte wunderbares) Konzert zu besuchen, endetet der Abend noch ohne Karte, dafür mit zu vielen Weißweinen gespritzt und jeder Menge Rauch in der Lunge. Im Nachhinein gesehen ist alles aber trotzdem so gekommen, wie es besser nicht sein hätte können. Das Leben regelt die Sachen nämlich wie es sie als richtig befindet. Meistens.

Nachdem dann die Stempelfrage – „Wos soi des sei, a Ausschlog??“ – auch geklärt war, konnte einem feinen Reigen nichts mehr im Wege stehen. Und wenn ich den Abend so Revue passieren lasse, stelle ich fest, dass mit Gringo Star die wahrscheinlich passendste Vorgruppe den ersten Ton im Wiener WUK angegeben hatten. Das Quartett aus Atlanta überzeugte mit ihrer Herangehensweise den Taktstock zu schwingen. Psychodelischer, schweißtreibender, allerdings mit einer fetten Brise Blues versehener Rock. Insgesamt „Two and a half weeks“ haben sie das Vergnügen, den Opening Slot für Trail of Dead bestreiten zu dürfen. Dann geht’s weiter auf die Insel, wo sie im Vorprogramm der wunderbaren Black Lips für Furore sorgen werden, wie mir Sänger Nicholas Furgiuele verriet. Na grüß Gott, da schließen sich ja wieder die Kreise und ein gemeinsames Thema war somit ebenfalls gefunden. Denn wenn man die Black Lips mal live gesehen hat, dann weiß man bestens bescheid. Von dem her handelte es sich bei Gringo Star offensichtlich um die perfekten Tourbegleiter für jegliche, von mir geschätzten Bands.
In Wien seien sie übrigens zum ersten Mal, man werde in Zukunft aber von sich hören lassen. Na das hoffen wir doch mal ganz stark – würden sich nur alle Bekanntschaften so sympathisch präsentieren wie diese riesige rockende Reisegruppe aus den US of A.

Souveränes Terrain

Dann betraten die Gladiatoren die Bühne. Ein kurzer Gruß mit der Hand, der Griff zu den Instrumenten, jeder bezog Position, und ab ging die Post. Das WUK war mittlerweile voll, jedoch noch nicht so mühsam erschöpft wie man es z.B. von einem Shantel - Gig gewohnt sein mag.
Ein Trail of Dead Konzert zu besuchen, das gehört immer wieder zu einem Highlight in meinem doch sehr umfangreichen Konzertkalender. Sie zählen nämlich zu jener Sorte von Band, die aufgrund ihrer konzeptionell angelegten Alben, Letzteres wurde wieder im Kollektiv eingespeilt, eine nahezu 1:1 Live - Umsetzung genau dieser schaffen. Hier gehören minutenlange Aufgänge und Interludes genauso zum fixen Bestandteil der Show wie der in Bächen vom Gitarrenhals fließende Schweiß. Vom ersten Saitenschlag an fügte sich alles so homogen ineinander, dass man zeitweise darauf vergessen hätte können, sich auf einem Konzert zu befinden. Es wurde ein Spannungsbogen aufgebaut, der im Zuge des Abends des Öfteren so ausgereizt wurde, dass man zu glauben vermochte, irgendetwas müsste dieser Spannung jetzt nachgeben, um wieder ein natürliches Gleichgewicht herzustellen.

Gurtpflicht

Die Show wurde, wie eigentlich auch von mir erwartet, mit „Giants Causeway“ und „Far Pavillons“, den beiden im Doppelpack funktionierenden Eröffnungstracks der neuen Platte, eingeläutet. Nach knapp zehn minütiger Akklimatisierungsphase hieß es dann den Gurt enger zu schnallen, denn mit „It was there that I saw You“ ging es auf eine Zeitreise ins Jahre 2002. Jason Reece war schon im Multitasking-Modus, pendelte zwischen Gitarre incl. Gesang und dem diesmal Gott sei dank wieder komplett vorhandenem zweiten Schlagzeug Set. Das Sextett wirkte sehr frisch, goss mit der Singleauskopplung „Isis Unveiled“, eine ihrer scheinbar unendlich vielen stärksten Nummern, auch gleich nochmal ordentlich Hochprozentiges ins Feuer. Das Stück, auf Platte schon eine Oper von knapp sieben Minuten, wurde live auf gefühlsmäßige fünfzehn ausgedehnt, entfachte mit Hilfe dieses so simplen aber durch Mark und Bein gehende Bass – Aufbaus immer wieder von neuem, um uns auch noch das restliche Ohrenschmalz aus den Gehörgängen zu brennen. Einzig das Vibra Slap am Ende des Stücks fehlte mir so richtig, dafür gab es aber den nahtlosen Übergang in „Homage“, einer brachialen, für mich immer wieder schwer nach At the Drive-In klingenden, Nummer, ebenfalls vom Source, Tags & Codes Album der Band.
Mit „Bells of Creation“ gingen es Trail of Dead dann ein wenig melancholischer an. Allerdings nur anfangs, denn als beim Refrain der Drummer erstmals die Sticks über die Toms rollen ließ, war es auch schon wieder vorbei mit der himmlischen Stimmung, die uns diese Nummer verkaufen sollte. Von den fünf, wahrscheinlich schnellsten jemals gehörten, Single - Bassdrum Kicks in Serie, traue ich mich gar nicht anfangen zu sinieren.

Fresh Air

Danach folgte mit „Will You Smile Again“ ein mittlerweile Klassiker vom viel gelobten Album Worlds Apart. Hier galoppierten die beiden Drumkits scheinbar um die Wette, wurden verdroschen als ob es kein Morgen gäbe. Spätestens jetzt musste es das geilste Gefühl sein in dieser Band zu spielen. Auch vor der Bühne wurde es jetzt erstmals so richtig laut und eng. Mitgröhl – Attacken, Schweiß auf Gänsehaut, Ellbogen im Genick, und endlich wusste ich zumindest wieder ansatzweise, warum ich seit jeher auf Konzerte gehe. Conrad Keely verlor sich danach in „Relative Ways“, und als beim darauffolgenden „Caterwaul“ Jason Reece seinen Arbeitsplatz kurzerhand von der Bühne in die Menge verlegte, untertauchte und nur mehr aufgrund der Richtung der Mikrokabels ausfindig zu machen war, da hatten sie die Festung WUK endgültig erobert. Voller Elan schien dieser Bursche und die Band generell zu sein.
Als mir dieser dann nach dem Konzert geduldig aber interessiert Rede und Antwort stand, führte so manche seiner Aussage dazu, dass ich das Konzert von einer anderen Seite sah. Immer schon hatte mich die Band gefesselt mit ihren so authentischen Konzerten und auch wenn das Premierenerlebnis vom Southside 2005 unanfechtbar ist, so wirkte es diesmal intensiver als die Male davor. Als ob sie einer Verjüngungskur unterzogen worden waren. Genau das passierte in einer gewissen Weise allerdings auch, wie J.R. erklärte: „You know, it was a strange situation when our producer, the guy who worked with us together since ten years, with whom we were so familiar, decided that he don´t want to produce our new album.……… but in the end it was this fresh air which was going through the band, and which was necessarry at all. Sometimes it´s important to break up with something, even if it´s difficult, but it´s the only way to move forwards.“
Bekanntlicherweise wurde ja mit Century of Self dem Riesen Interscope der Rücken gekehrt und wieder auf Indiebasis gesetzt. Somit erlangte man diese künstlerische Freiheit zurück auf der eigentlich der Grundgedanke dieser Band basiert. Vom Albumcover (abermals in herausragender Manier von Conrad Keely entworfen) bis hin zu den Lyrics und der Produktion hatte man quasi Narrenfreiheit. Schlussendlich wurde man, was die Produzentenfrage betraf, in NYC fündig. Chris Coady, jener Mann, der sich unter anderem auch für das Yeah Yeah Yeah´s Meisterwerk Fever to Tell verantwortlich zeichnet, verlieh auch Century of Self ein Gesicht mit hohem Wiedererkennungswert.

Dreams aren´t broken one by one

Das es bei dieser Unmenge von hörenswerten Songs die sie über die Jahre auf uns losgelassen haben kein leichtes Unterfangen ist, eine entsprechende Setlist zu kreieren, dass liegt auf der Hand. Und mir wäre es beim Konzert auch gar nicht aufgefallen, aber nachdem mit „Another Morning Stoner“ eine weitere Nummer vom 2002er Durchbruchsalbum durch die Halle gejagt wurde, folgte ein vier Nummern andauerndes Feuerwerk welches ihren Ursprung bereits auf Madonna, also vor mittlerweile zehn Jahren, hatte. Angeführt von „Claire de Lune“ endete die reguläre Show dann bombastisch in „Totally Natural“, und einer Livedarbietung dieser Nummer, die mich einfach nur mit offenem Mund und Neid, aber auch unglaublichem Wohlbehagen zurückließ.

Fuck You, Fuck You, Fuck You, Fuck You,…..

Mit „Mistakes & Regrets“ meldeten sie sich nach alibihafter Pause wieder zurück, drehten gefühlsmäßig noch ein bisschen an diversen Volume Reglern und besorgten es sich noch mal so richtig. Scheinbar nicht enden wollend, verschmolz der Song in „A perfect teenhood“ wo man die letzten Reserven mobilisierte und noch mal herausschrie, was gesagt werden musste. Fuck You - und ich könnte mir schon vorstellen an wem das im speziellen Fall adressiert gewesen war.
Als dann der von mir, nicht nur aufgrund seiner Spielweise, geschätzte Drummer dieser Band bei Jason Reece bezüglich seiner extremen Anschlagtechnik und Stickhaltung nachhakte, brachte der gute Mann die Sache auf den Punkt, denn „When I am on stage I put the shit out of me“ – wäre diese Sache somit auch geklärt.
Schwerstarbeit auf Höchstem Niveau also, dargeboten von dieser so authentischen, sympathischen und wichtigen Band, die seit Jahren schon geniale Alben abliefert und mich musikalisch begleitet. Und auch in Zukunft wird sie auf jeder Reise an Board sein wird – also bald wieder.

Der Blick auf die Playlist entpuppte sich im Nachhinein als eine Reise durch vier Alben. Century of Self, das Aktuelle, wurde dabei nur gestreift, was ich dann doch nicht ganz verstehen kann bei dem Potential, dass in den neuen Nummern steckt. Von mir aus hätten sie ja auch gerne noch eine weitere Stunde den Soundtrack für diese Donnerstagnacht liefern können.

Playlist:

Giants Causeway (Century of Self – 2009)
Far Pavillons (Century of Self - 2009)
It was There that I Saw You (Source, Tags and Codes - 2002)
Isis Unveiled (Century of Self – 2009)
Homage (Source, Tags and Codes – 2002)
Bells of Creation (Century of Self – 2009)
Will You Smile Again? (Worlds Apart – 2005)
Relative Ways (Source, Tags and Codes - 2002)
Caterwaul (Worlds Apart – 2005)
Another Morning Stoner (Source, Tags and Codes - 2002)
Claire de Lune (Madonna – 1999)
Totally Natural (Madonna – 1999)

Mistakes & Regrets (Madonna – 1999)
A Perfect Teenhood (Madonna – 1999)